|
|
Auszug aus Marabo “ Ausgehen im Ruhrgebiet” - 94/95
Nach einem Besuch in Witten wünscht man sich im Ruhrgebiet mehr portugiesische Restaurants dieser Art, damit der Weg zu frischen Fisch nicht immer so weit
ist. Denn hier fährt man hin, um Fisch zu essen.
Der Inhaber der “Casa Portuguesa”, José Correia da Silva, betont, daß man wöchentlich zum Pariser Großmarkt fahre, um den Gästen die beste Qualität an
Seeteufel, Thunfisch, Stockfisch, Seebarsch, Dorade oder Salm liefern zu können. Daran könnte man noch zweifeln, wenn sich an einen der schmucklosen Tische niedergelassen und der Kellner gebetsmühlenhaft seinen Vortrag, über
die portugiesische Küche im allgemeinen und seinen Angeboten von der wechselnden Sonderkarte im speziellen abgespult hat. Das geht ohne Punkt und Komma. Doch das Vertrauen wächst, wenn erst das Meerwasserbassin mit
verschiedensten Schalen- und Krustentiere im Restaurant entdeckt ist und die ersten Appetizer serviert sind.
Unschuldige Möhrchen werden unter der Küchenchefin zur superscharfen Knoblauchfiesta, daß dagegen die Aioli mit Milde glänzt, erster Sonderpunkt für
eine gelungene Überraschung gleich zu Beginn. Ob man darauf eine Suppe oder Kleintiere aus dem Meer (Venus Muscheln, Krabben, Austern, Krakensalat) folgen läßt, entscheidet die Tagesform. Meine war gut, aber die vom Salada de
Polvo noch besser - Krakenarme in leicht zitroniger Umgebung und schon wieder ein Sonderpunkt für die leichteste Versuchung seit es lila Kühe gibt.
Schnörkellos, aber opulent ist die gemischte Fischplatte (30 Mark pro Person), zu der Patron da Silva keine ausgefuchste Beilagen- und
Kompositionsorgie veranstaltet, sondern ganz schlicht wie in Portugal Kartoffeln und verschiedene frische Gemüse je nach Jahreszeit reicht. Tips für die Speisefolge gibt er auch: erst die Gambas, dann sich langsam zum Edelsten
heran arbeiten. Aber welcher Fisch ist hier nicht edel, wo kein zusätzliches Gewürz außer Meersalz den Eigengeschmack von Salm, Lotte oder Seehecht verfälscht?
Dieser Familienbetrieb ist aber nicht nur in der Lage, Meerestiere in selten anzutreffender Frische und zu erstaunlich günstigen Preisen auf den Tisch
zu bringen, man hat wunderbare Desserts aus eigener Herstellung (Leite de Creme, die portugiesische Variante der Crema Catalana oder einen herrlich luftigen Eiweißpudding mit Caramelsauce).Hier ist das Essen also die pure
Freude, die Weinkarte ist ausgesucht portugiesisch (günstig und gut)und anschließend gibt es Trester (selbstbrendend aus Familienproduktion), der einem abschließend die Schuhe auszieht. Das verlangt nach mehr.
Auszug aus MARABO “Ausgehen im Ruhrgebiet” - 95/96
Es lohnt sich nach wie vor, für die “Casa Portuguesa” auch eine längere Anfahrt nach Witten in Kauf zu nehmen. José Correia da Silva bietet eine große,
aber ausgesuchte Palette an frischem Fisch. Verschiedene Doraden, Steinbarsch und Loup de Mer lassen einen beinahe Salm, Seezunge oder Seeteufel vergessen. Hier könnte man sich getrost auch einmal an Hummer, Languste oder
Austern wagen, wenn ein festlicher Anlaß für diese nicht alltäglichen Genüsse gegeben wäre. Denn diese luxuriösen Schalentiere haben auch hier ihren Preis.
Fisch, welche auch immer, ist in der “Casa Portuguesa” vorbehaltlos zu empfehlen, weil der Padrone sich wirklich auskennt. Wo mancher Gastronom vollmundig
behauptet, immer Fang- und Tagesfrische Meerestiere auf den Tisch zu bringen, bleibt der Herr da Silva so ehrlich, das für unsere nicht so nah am Wasser gebaute Gegend beinahe unmöglich und auch gar nicht notwendig zu
bezeichnen. Frischer Fisch hält sich bei sachgemäßer Kühlung (-3 Grad) eine gute Woche ohne Qualitätsverlust, und Sorten mit festem Fleisch dürfen tiefgekühlt auch länger lagern, wenn sie anschließend schonend aufgetaut werden.
Diese kleine Warenkunde läßt Vertrauen wachsen, und die angebotene traditionell und typisch einfache portugiesische Küche bestätigt das. Als Appetizer
kommen wie üblich die schon berüchtigten höllisch scharf geknofelten Möhrchen die den Magen öffnen. In relativer Schmucklosigkeit, manche Sitzecke könnte besser ausgeleuchtet sein, kommt zu familiären Preisen dann eine Portion
Venus Muscheln im Sud und wieder eine Menge Knoblauch. Die Muscheln sind gut geputzt, denn wie es sich gehört, stört kein Körnchen Sand und der Knoblauch kann ungestört daran arbeiten, seinen pelzig-wolligen Belag im Gaumen
aufzubauen.
Der gute Landwein kippt sich dann noch besser und die anschließende Dorade Royale (mit typisch einfachen Beilagen Salzkartoffeln und gedünstetes Gemüsen
nach Angebot der Saison) habe ich in iberischen Restaurants nur ein mal besser angetroffen. Das hohe Prädikat der “Casa Portuguesa” vom vorrigem Jahr kann ich nur bestätigen, obwohl ich keines von den appetitlichen und
hausgemachten Desserts (Leite de Creme oder Eiweißpudding mit Karamel Sauce) probieren konnte - ich war zu satt. Da war noch eine kleine Lücke übrig für den eigens importierten hausgebrannten Trester, des so gut wie eine Grappa
ist, aber längst nicht so teuer. Das darf man sich in der “Casa Portuguesa” nicht entgehen lassen.
|
|